Standbild mal anders- neue Perspektiven schaffen

Im Deutschunterricht nutze ich immer wieder gerne die Methode des Standbildes, um zum Beispiel Szenen aus einer Geschichte darzustellen. Für die Schüler ist es eine gute Möglichkeit die Beziehung zwischen Figuren darzustellen oder an ihrer Mimik und Gestik zu arbeiten. Was ihnen aber häufig schwer fällt (je jünger die Schüler, desto schwerer fällt es ihnen) ist die Sicht einer der Protagonisten einzunehmen. Der Perspektivwechsel ist deshalb schwer, weil sich die Schüler nicht so leicht in die Sicht der Person versetzen können. Genau an diesem Punkt setzt die Idee des POV-Fotos oder (bei entsprechender technischen Ausstattung) sogar des interaktiven VR-Bildes an.

Außensicht auf die Szene
Innensicht der gleichen Szene

Nehmen wir das Bild auf der linken Seite als Ausgangspunkt. Natürlich hat man im Klassenzimmer nicht immer eine Klippe parat und aus Sicherheitsgründen würde ich auch eher davon abraten einen Schüler so zu platzieren, aber es soll hier um die Perspektive gehen. Wenn der visuelle Impuls ein Bild wie dieses ist, dann können sich die meisten Schüler eine Geschichte um diese Szene vorstellen. Was macht dieser junge Mann dort an der Klippe? Was ist im Vorfeld passiert? Usw. Auf den ersten Blick würden hier wahrscheinlich vornehmlich suizidale Geschichten entstehen, der Mann hatte einen Streit mit seiner Freundin, ist ein Mobbingopfer oder Ähnliches.

Ändern wir nun aber die Perspektive und schauen uns das ganze Szenario aus der Sicht des Mannes an (Bild rechts), dann fällt es den Schülern meist leichter sich in die Figur zu versetzen. Plötzlich bemerken sie, dass der Mann vielleicht einfach einen Platz zum Nachdenken und zur Ruhe braucht, dass ihm vielleicht etwas ins Wasser gefallen ist oder er einfach vom Anblick überwältigt ist. Dieser Perspektivwechsel kann also ein gutes Mittel sein, um Schülern das Prinzip der Innen- und Außensicht zu verdeutlichen. Dies spielt auch bei Textanalysen eine Rolle, da die verschiedenen Erzählperspektiven unterschiedliche Zugänge zur Geschichte ermöglichen. Aber wie soll man das jetzt im Unterricht erzeugen? Die Antwort auf diese Frage schlummert wie so häufig in der Hosentasche jedes Schülers: das Smartphone.

Sobald ein Standbild erstellt und verändert wurde (die Veränderung sehe ich als zentrales Element. Hierbei können die Zuschauer und ein „Puppenspieler“ die Figuren so verändern, dass sie am ende der Zielvorstellung entsprechen), kann jeder Schüler, der Teil des szenischen Bildes ist, sein Smartphone zücken und ein Foto aus seiner Perspektive herstellen. Dies bietet die Chance sich in jede Figur zu versetzen. Plötzlich fällt auf, worauf eine Figur schaut, was sie dort sieht oder was ihr vielleicht verborgen bleibt, weil eine andere Figur in der Sicht steht. Dieses Zusammenspiel aus Außensicht (das gesamte Standbild als Zuschauer betrachtet) und Innensicht (POV-Bilder der Darsteller) ermöglicht also einen mehrperspektivischen Zugang der Szene.

Falls man über die technische Ausrüstung verfügt, welche aktuell auch zu einem fairen Preis zu haben ist, so kann man sogar noch weitergehen und das einfache Standbild in ein interaktives VR-Bild verwandeln. Alles was man dafür braucht ist eine 360°-Kamera und eine VR Brille. Zusammen mit dem Smartphone bekommt kann dann die Möglichkeit auch als Zuschauer jederzeit Teil der Szene zu werden. Die 360°-Kamera wird mittig im Standbild platziert und erzeugt dann ein Rundumpanorama der Szene. Über die entsprechende App wird dann ein Bild erzeugt, welches über eine VR-Brille angeschaut werden kann.

In unserem Beispiel habe ich Google StreetView genutzt, um ein Panorama von „the Gap“ in Sydney zu zeigen. Die Schüler haben so also die Möglichkeit zu sehen, was um die Person herum passiert. Kann man aus der Umgebung vielleicht einen Rückschluss auf die Szene ziehen? Kann man im Hintergrund vielleicht noch die weinende Freundin erkennen? Liegt dort vielleicht der Wanderrucksack des Mannes, der nun am Ziel seiner Reise ist?

Ihr seht also, dass die klassische Methode des Standbildes durch digitale Hilfsmittel relativ einfach so aufgewertet werden kann, da man sich (im wahrsten Sinne des Wortes) neue Perspektiven eröffnen kann.

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1 Kommentar zu „Standbild mal anders- neue Perspektiven schaffen

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